Buch-Tipp: Sternenkadett Nick Seafort

Gute und neue Science Fiction ist heutzutage kaum noch zu bekommen. In den Buchläden sind diverse Regale zwar mit dem Schriftzug “SciFi” gekennzeichnet. Die Titel der dort zum Kauf angebotenen Bücher aber verraten, dass es sich bei ihnen eher um weitere Ergüsse der momentanen Fantasy-Schwemme handelt. Lediglich die Perry Rhodan-Reihe hält die SF-Fahne hoch und versorgt die Lesehungrigen regelmäßig mit Neuem.

Für alle, die anspruchsvolle SciFi lieben, aber den Schritt in den manchmal doch recht komplexen Perry Rhodan-Kosmos scheuen, gibt es Alternativen. Ein wenig älter zwar, aber unbedingt lesenswert sind die Romane von David Feintuch über den Werdegang des jungen Nick Seafort. Dabei ist Seafort alles andere als der strahlende Held. Im Gegenteil findet sich der Leser immer wieder einmal in der Situation, den Hauptakteur ausgesprochen unsympathisch zu finden. Wenn er sich zum Beispiel wieder einmal an seinem Wertesystem entlang hangelt, um Entscheidungen zu treffen – die dann auch schonmal einige Menschen das Leben kosten.

Im ersten Buch der Seafort-Saga “Sternenkadett Nick Seafort” befindet sich die Hauptfigur noch ganz am Anfang. Als Kadett, als Offiziersanwärter also, dient er auf dem Raumschiff Hibernia. Als Dienstältestem müssten ihm die anderen Kadetten Respekt entgegenbringen. Doch das fällt ihnen schwer, denn Seafort ist keine geborene Führungspersönlichkeit. Auch seine Vorgesetzten halten nicht allzu viel von Seafort, was sie ihn immer wieder spüren lassen. Bei einem Unfall aber kommen sämtliche Offiziere des Schiffs ums Leben. Die militärische Hierarchie macht nun ausgerechnet Seafort zum Kommandanten des Schiffs – in einer Situation, in der selbst erfahrene Offiziere verzweifeln würden.

Der 1994 erschienene Roman fesselt von der ersten Seite an. Es ist gerade der untypische, unheldenhafte Charakter der Hauptperson, die den Leser vorantreibt. Wie geht es weiter? Wie entscheidet sich Seafort? Dabei zeichnet Feintuch ein gar nicht so unrealistisches Bild von der Zukunft als hierarchiestarres, demagogiegefülltes Gebilde. In der Seafort-Saga sind noch weitere sechs Romane erschienen, die in der entsprechenden Reihenfolge gelesen werden sollten. Selten ist einem Autoren ein derart packendes, in sich stimmiges und spannendes SciFi-Epos gelungen. Die Charaktere sind sauber gezeichnet, es gibt keine Logiklücken. Dazu fehlt dankenswerterweise die Rolle des Superhelden. Von Kapitel zu Kapitel, von Buch zu Buch findet der Leser die Antworten auf die Fragen, die sich ihm unweigerlich stellen. Eine Frage allerdings muss der Leser sich selbst beantworten: Wo wäre mein Platz in einer solchen Welt?

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