Vermeintlicher Wettskandal nur eine billige Racheaktion?

Heute weckt die Nordsee-Zeitung (Link zum Artikel) die Bremerhavener Fußballwelt mit einem Artikel auf, der den vermeintlichen Wettskandal in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt. Danach vermutet Bernd Günther, der Präsident des FC Bremerhaven, hinter dem angeblichen Betrugsversuch eher eine kalt servierte Racheaktion des Ex-Spielertrainers der Zweiten Herren, Roman Opalka. Der war erst kürzlich beim FCB ausgestiegen (so seine eigene Version), könnte aber auch gefeuert worden sein (denn das sagt der Verein). Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Das Klima zwischen Mannschaft und Trainer jedenfalls war zum Schluss nicht mehr das Beste. Spätestens nach Opalkas Weigerung, sich selbst – trotz massiver Personalprobleme – im Spiel gegen TuRa Bremen (0:3) einzuwechseln (“Ich riskiere doch nicht in so ‘nem Spiel meine Knochen”), hatte der amtlich bestätigte Torjäger ein echtes Akzeptanzproblem. Glaubt man der Mannschaft, war das nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Sei’s drum. Die Trennung von Roman Opalka vollzog sich auf jeden Fall nicht in “beiderseitigem Einvernehmen”, wie es bei Trainer-Demissionen ansonsten so gern heißt. Im Gegenteil gab es viel Gepolter, das man in Bremerhaven wohl nur deshalb nicht hören konnte, weil der Baulärm der Eishalle so laut war.

Ex-Trainer Roman Opalka und FCB-Präsident Bernd Güther sind unterschiedlicher Meinung

Ex-Trainer Roman Opalka (links) und FCB-Präsident Bernd Günther (rechts) sind unterschiedlicher Meinung

Nun arbeitet Opalka anscheinend in einem Wettbüro, dass seinem Halbbruder gehört und an dem sein leiblicher Bruder beteiligt sein soll. Erraten? Es ist eben jenes Wettbüro, dass die angeblich hohen Summen bei Wetten auf den SV Werder Bremen III im Spiel gegen den FC Bremerhaven registriert und gemeldet haben soll. Zufall? Daran kann Günther nicht glauben. Und wirklich, der Hergang ist angesichts der zeitlichen Nähe zwischen Opalkas Abschied als Trainer und dem vermeintlichen Wettbetrug zumindest ungewöhnlich.

Man darf gespannt sein, was die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen herausbekommen wird. Wahrscheinlich nichts. Denn da das Spiel abgesagt wurde, hatte auch niemand die Chance, das Spiel zu manipulieren. Selbst, wenn es jemand vorgehabt hätte, ist es wohl unmöglich, das zu beweisen. Genauso unmöglich dürfte es übrigens sein, Günthers Version lückenfrei zu beweisen. Denn, selbst wenn die Opalka-Brüder selbst die hohen Wetten gegen den FCB gesetzt haben (was risikolos gewesen wäre, denn es hätte sich ja nur um Luftbuchungen gehandelt), dürfte es dafür keine Beweise geben.

Und nun? Warten wir ab, was die Behörden herausfinden. Hoffentlich reicht es, die eine oder andere Version lückenlos zu bestätigen. Ansonsten hinterlässt die Geschichte nur Verlierer.

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