Wer Frieda heute sieht, kann sich gar nicht vorstellen, dass diese Henne mal ein hässliches Entlein war. Wunderschön leuchtet ihr Federkleid, ihre Augen funkeln und schauen friedlich und zufrieden.
Wir haben Frieda Ende 2007 bei dem Gartenfachgeschäft Wassenaar in Bremerhaven-Leherheide entdeckt. In einer gläsernen Voliere saß sie in einer Ecke, teilnahmslos und zerrupft. Die Federn des linken Flügels waren ihr von anderen Vögeln (in der Voliere wimmelte es nur von anderen Arten, die man nicht mit anderen Exoten halten darf, weil sie aggressiv werden) komplett abgebissen worden. Fliegen und sich in Sicherheit bringen konnte sie so natürlich nicht. Also kauerte sie in einer Ecke und hoffte, von niemandem bemerkt zu werden.
Wir haben sie aber bemerkt. Ein neuer Vogel war zwar eigentlich nicht vorgesehen (der Tod unserer geliebten Ellie war erst wenige Wochen her), aber konnten wir Frieda da lassen? Sie wäre ständig nur gejagt und misshandelt worden. Das Personal von Wassenaar schien daran nichts Schlimmes zu finden und meinte auf unsere Nachfragen nur, dass man die Situation beobachten würde. Meine Frau und ich schauten uns kurz an, dann war klar: Frieda bekommt ein neues, friedlicheres Zuhause!
Es brauchte lange Monate, bis Frieda nicht mehr bei jedem Geräusch oder jeder unerwarteten Bewegung im Raum zusammenzuckte. Zahm ist sie nicht – wie auch, bei der Geschichte? Sie lässt sich nicht von anderen Vögeln kraulen, ist aber nicht aggressiv. Im Gegenteil gibt sie sehr früh nach und schlüpft so immer noch zu oft in die Opferrolle. Aber wir haben einen prinzipiell sehr friedlichen Schwarm, der das nicht ausnutzt und sie in Frieden läßt.
Die Federn am linken Flügel sind natürlich komplett nachgewachsen. Und immer, wenn Frieda ihre Runden dreht und zielsicher irgendwo landet, erinnere ich mich an den kleinen, zerrupften Vogel in der Ecke der Glasvoliere bei Wassenaar, der vor der Welt nicht fliehen konnte. Jetzt muss sie es nicht mehr, und das macht uns sehr glücklich.





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