Besoffen fährt sich’s besser

Zehn Prozent aller Unfälle werden von alkoholisierten Autofahrern verursacht. Der Umkehrschluss? Die restlichen neunzig Prozent der Unfallverursacher sind stocknüchtern! Also runter von unseren Straßen mit dieser Risikogruppe!

Mit Statistiken geht alles besser

Natürlich ist das nicht Ernst gemeint. Allerdings ist dieser schöne, alte Witz ein Musterbeispiel dafür, wie man sich Statistiken so hindrehen kann, wie man sie gerade braucht. Die obige Argumentation könnte sich aber auch ein Autofahrer aneignen, der bei der Open Air Party im Fischereihafen (Bremerhaven) einen Unfall verursacht hat. Die Story ist kein Witz (im Gegensatz zum ersten Absatz), sondern hat sich gestern Abend gegen 22 Uhr genau so zugetragen:

Schwarz oder weiß – wo ist der Unterschied?

Im Anschluss an ein Essen beim Willy mit lieben Verwandten bummelten wir noch ein wenig durch das Schaufenster Fischereihafen. Das Drachenbootrennen war gelaufen, nur wenige Partygänger waren geblieben, um bei Livemusik noch ein wenig zu feiern. Die Stimmung war eher lahm, viele der Stände hatten bereits geschlossen. Plötzlich stupste mich mein Schwippcousinschwager Reinhard an und meinte: “Schau Dir den mal an!” Ein Mann, offensichtlich sturzbetrunken, torkelte von Auto zu Auto und versuchte seinen Schlüssel an jedem von ihnen. Bei den ersten beiden Fahrzeugen (dunkle Farbe) hatte er kein Glück. Aber beim dritten – dem einzigen weißen PKW in der Reihe ;) – klappte es endlich. Reinhard zückte schon das Telefon, meinte: “Wenn der den Motor startet, holen wir wohl besser die Polizei.” Ich überlegte, ob ich meinen inneren Schweinehund besiege und auch was mache: den potentiellen Unfallfahrer stoppen, bevor er Mist baut.

“Da lang *hicks* musst Du fahren…”

Die Entscheidung nahm mir eine Frau von etwa 45 Jahren ab. Sie eilte zu dem Betrunkenen, der schwankend auf dem Fahrersitz Platz genommen hatte, riss die Tür auf und sprach mit ihm. Erleichtert dachte ich, dass sie ihn wohl kennt und ihm jetzt klar machen würde, dass er derart besoffen nix hinter dem Steuer eines Autos zu suchen habe. Aber nein! Sie erklärte ihm gestenreich (und mit einem Bierglas in der Hand) eher noch, wohin er fahren müsse!

Kein Happy End für den Schluckspecht

Dann überschlugen sich die Ereignisse. Noch bevor wir kapiert haben, was da gerade passierte, setzte der Betrunkene den Wagen kurz vor (um auszuparken), um ihn dann rückwärts an den anderen Fahrzeugen vorbei zu manövrieren. Happy Endings gibt es nur in Filmen: Natürlich erwischte der Fahrer gleich das erste Auto an der hinteren Seite. Die Frau mit dem Bierglas schaute erschrocken, dann ging sie schnellen Schritts zurück ins TiF. Der Unfallfahrer versuchte wohl so etwas wie eine Fahrerflucht. Wir setzten uns in Bewegung, um das zu verhindern, waren aber wieder nur zweite Wahl: Andere Passanten, die näher standen, waren zeitgleich aufgesprungen und zogen den Besoffenen aus dem Auto.

Keine Sicherheit hinterm Wohnwagen

Reichlich später traf die Polizei ein. Zwischenzeitlich hatten zwei Parteien aufgeregt miteinander diskutiert. Diese Diskussion hatte der Betrunkene genutzt, um sich unbemerkt abzusetzen. Er hatte sich notdürftig hinter einem Wohnwagen versteckt, wurde aber schnell gefunden. Seinen Rausch durfte er wohl auf der Wache ausschlafen.

Baff sein als Ausrede?

Für mich stellt sich jetzt aber die Frage, ob wir mit etwas mehr Initiative den Unfall nicht doch hätten verhindern können. Aber ganz ehrlich: Wir waren baff. Vollkommen baff. Denn mit sowas rechnet doch kein normal tickender Mensch. Oder?

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4 Responses to Besoffen fährt sich’s besser

  1. werwiewas says:

    Ich bin auch für die 0,00 Promille Grenze,wird es aber so nicht geben. Wie sollen den Unsere Politiker und Feuerwehren nach nem Betriebsfest nach Hause kommen.;) Ich hatte vor ein paar Wochen eine kleine Feier und meine Kumpels waren gut geschallert.Als der Morgen graute und die Party vorbei war wollte einer meiner Freunde mit seinem Wagen nach Hause fahren.Ich hab Ihm gesagt das ich das nicht zulassen werde,daraufhin wollte ein anderer Spezi seinen Wagen fahren. Blöd nur das er nicht nur Stockbesoffen war,nein er hat noch nichtmal n Lappen. Die Bande hat sich in den wagen gesetzt und mir ist dann der Kragen geplatzt.Ich hab die Fahrertür geöffnet und mir den Schlüssel geschnappt.Da saßen Sie nun,ohne Key.Es gab dann ne Diskussionsrunde ob ich n Recht dazu hätte den Key zu behalten,was mir ehrlich gesagt sch**ßegal war. Ich hab Ihnen dann zwei Optionen genannt.1. Ich geb den Schlüssel zurück,zersteche aber dafür die Reifen .Und 2.Schlüssel gegen einen anständigen Faustkampf. Nunja mein Kungfu ist besser.Sie waren Sauer auf mich und hatten nun n Fußmarsch vor sich. Am nächsten Tag hab ich nocheinmal mit Ihnen darüber geredet und Sie hatten selber ein einsehen. Manchmal muß man sich eben unbeliebt machen um das Richtige zu tun. Es ist nur Wichtig das man schnell handelt,sonst besucht man seine Freunde vielleicht aufm Friedhof. Und wer hat da schon Bock drauf……..

  2. Röpi says:

    Die Geschichte wurde am nächsten Tag auf der Familienfeier auch reichlich bei uns dikutiert und wiederholt ;)
    Sorgte ordentlich für Gelächter, doch so witzig ist es dann doch nicht, wenn man bedenkt was er alles hätte anstellen können, außer in das geparkte Auto zu fahren….

  3. juwi says:

    Genau wegen solcher Vorfälle bin ich für die Null Promille Grenze (Alkohol im Blut) am Steuer. Dann kann sich niemand mehr herausreden. Für mich persönlich habe ich diese Null Promille Grenze übrigens schon vor langer Zeit eingeführt.

    Aber um deine Frage zu beantworten: Solange der mit seinem Schlüssel versuchte, ein Auto nach dem anderen aufzuschließen, und auch noch, als ihm das endlich gelungen war, hättest du den Vorfall vielleicht verhindern können – es sei denn, der hätte sich gegen den Rettungsversuch gewehrt. Nach dem jedoch die Frau ins Spiel gekommen war, hätte ich es auch nicht mehr für möglich gehalten, dass der noch losfuhr.

    Zu der Idee von Luigi:
    Fotos hätte man davon zwar machen können, aber jemanden im Internet mit einer solchen Geschichte öffentlich an den Pranger zu stellen, kann einem teuer zu stehen kommen.
    .-= juwi´s last blog ..Vom Wringer zum Wäschetrockner =-.

  4. Luigi says:

    Davon hättest du ruhig mal Fotos machen können! :-)

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