Es rumpelt kaum spürbar beim Bodenkontakt. Die Bugklappe senkt sich zügig, ein einzelnes Auto und eine Handvoll Menschen verlassen die Fähre. Der Großteil der Touristen an Bord der Hilligenlei I schaut interessiert (mitleidig?) über die Reling, wird aber weiter fahren zur Ferien-Insel Amrum. Wir dagegen sind jetzt am Ziel: Hallig Hooge, unser Urlaubsort für die kommenden Tage.
Kurze Wege machen das Auto verzichtbar
Zwar holen die Vermieter der Ferienwohnungen auf den Warften (das sind umdeichte Häuserinseln inmitten knapp über Normal Null liegenden und besonders im Winter oft überfluteten Wiesen) ihre Gäste mit dem PKW ab. Dieser Service gilt allerdings hauptsächlich dem Gepäck der Anreisenden. Denn die Wege auf der Hallig Hooge sind kurz. Egal, auf welcher Warft man logiert: Die Nordsee ist nur wenige Fußminuten entfernt, ebenso die anderen Warften.
Die Hanswarft ist das Zentrum
Das gilt auch für die Hanswarft, den gesellschaftlichen Mittelpunkt der Hallig. Länger als einen gemütlichen Halbstunden-Spaziergang braucht man von nirgendwo auf der Hallig bis in das Zentrum der 120-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Nordfriesland. Hier findet man nicht nur den Großteil der Gastronomie der Hallig, sondern auch das Erlebniszentrum Mensch&Watt, das Halligkino (hier läuft eine Doku über Sturmfluten hoch und runter), den Königspesel und das Heimatmuseum.
Haupteinnahmequelle Touristik
Etwa zu siebzig Prozent ist die Hallig vom Tourismus abhängig, wird geschätzt. Auf den Hauptwirtschaftszweig ist Hooge fast komplett ausgerichtet. Einen Landwirt gibt es noch, dessen Vieh glücklich und zufrieden auf den Halligwiesen weiden darf. Ansonsten aber steht die Hallig im Zeichen des Fremdenverkehrs. Trotzdem hat sich Hooge nicht verkauft – die Hallig ist besonders in den Zeiten vor und nach An- und Abfahrt der Tagestouristen ein unglaublich entspannter Ort. Genau das Richtige für angegriffene Städter-Nerven: Spaziergänge an der frischen Luft! Entweder auf den Wegen, die die Warften verbinden, oder an der Küste entlang.
Raus auch im Regen
Dabei hat die Hallig den typischen Nordsee-Vorteil: Während Schmuddelwetter überall sonst in der Republik eher dazu verleiten würde, keinen Fuß vor die Tür zu setzen, locken Wind und Regen hier erst recht nach draußen. Denn bei so einem Spaziergang durch den Sommerregen wird der Kopf so richtig frei. Und schlechtes Wetter gibt es eh nicht. Nur falsche Klamotten.
Hunde als Diskriminierungsopfer
Frei von ärgerlichen Fehlentwicklungen ist aber auch die Hallig nicht. Denn überall auf Hooge gilt – zum Schutz der hier brütenden Vögel – Leinenzwang für Hunde. Der wäre an sich nachvollziehbar, wenn auf der Hallig nicht mehrere Katzen frei rumstromern würden. Was ist für Jungvögel gefährlicher? Ein – in der Regel erzogener und oftmals nicht sonderlich jagdinteressierter – Hund oder eine sich lautlos anpirschende, aus Vergnügen jagende Katze? Dazu kommt, dass der Leinenzwang maximal von den Gästen eingehalten wird – die einheimischen Hunde genießen da anscheinend eine Ausnahmegenehmigung. Auf das Gelände der Johannis-Kirche (Kirchwarft) übrigens dürfen Hunde nicht einmal angeleint – ob Gott das so gut findet? Franz von Assisi jedenfalls dürfte zurecht sauer sein.
Matschiger Kuchen auf nassen Stühlen
Unverständlich ist auch, warum ein Bistro auf der Hanswarft sich derart wenig Mühe gibt, seine Gäste zufrieden zu stellen. Zumindest, als wir es testeten, flog es mit Pauken und Trompeten durch so ziemlich jede Bewertung: Eine Stunde nach einem Regenschauer waren die Tische und Stühle im “Biergarten” noch nicht abgewischt, was mehrere potentielle Gäste weiter trieb. Der angepriesene frische Kirschkuchen entpuppte sich als klitschig und zumindest vom Vortag (andere Kuchensorten waren dazu ausgegangen), und die Bedienung war schlichtweg nicht vorhanden. Wenn das Ambiente schon nicht stimmt, müssen wohl wenigstens die Preise Qualität vorgaukeln: Für zwei Stück Kuchen und zwei Getränke mussten wir 12 Euro hinlegen [sic!] . Hier lief wirklich alles falsch.
Der Unterschied zwischen nord- und ostfriesischen Tees
Dass dieses Bistro ein negativer Ausreißer auf Hooge ist, haben vorher zum Glück bereits andere Gastronomien bewiesen. Ein Mittagessen im Seehund zum Beispiel ist preiswert und lecker, dazu ist die männliche Bedienung äußerst freundlich und schnell. Richtig gemütlich wird es auch in der T-Stube. (Nicht nur) Verschiedenste Tees laden zum Pause machen ein, die alten Möbel und Aseccoires sorgen dafür, dass auch die Augen was zu tun haben. Wer ostfriesische Teekultur gewohnt ist, wird hier allerdings überrascht: Statt Sahne gibt es Milch, und der Tee wird fertig gebrüht serviert. Aber vielleicht ist das in Nordfriesland so.
Nah am Anleger: Die Backenswarft
Auf der Backenswarft buhlen zwei Betriebe um die Gunst der Gäste. Sowohl der Friesen- als auch der Blaue Pesel (das Wort “Pesel” bedeutet in etwa soviel wie “Wohnzimmer”) verstehen dabei durch ihre Stärken zu überzeugen. Dass Dauergäste (Einheimische sowieso) diese Lokalitäten während der Besuchszeiten der Tagestouristen meiden, ist keine Überraschung: Die Backenswarft liegt in unmittelbarer Nähe des Fähranlegers und ist Station der Pferdekutschen…
Kein Sand – kein Zähneknirschen!
Wer auf der Hallig Hooge Sandstrände erwartet, wird übrigens vergeblich suchen. Aber das ist kein Manko Hooges, denn die Graßflächen nahe der Badestellen sind eh viel bequemer als Sand es je sein könnte. Und der Vorteil liegt auch auf der Hand: Das Picknickbrötchen wird nicht gleich beim leisesten Windhauch ungenießbar.
Wiederkommen ist Pflicht
Fazit: Die Hallig Hooge ist ein Mekka für alle, die dringend mal abschalten wollen. Wer Ruhe braucht und sucht, findet sie. Gleichzeitig bietet die Hallig eine große Auswahl an Gastronomie, die großteils überzeugen kann und sich wirklich Mühe gibt, seine Gäste zufriedenzustellen. Nervenzerfetzendes aber findet man hier nicht. Und das ist auch gut so, denn es würde nicht zum Charakter dieses liebenswerten Fleckchens passen. Bereits der Zeltplatz nahe der Volkertswarft im Nordwesten der Hallig wirkt wie ein unpassender Fremdkörper. Auf jeden Fall werden wir wiederkommen – am liebsten im Winter, wenn die Hallig ihren rauhesten Charakter zeigt. Sommer kann schließlich jeder








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