Lex Poldi: Prügelprinz bleibt ohne Strafe

Was ist für Sie ein Fußballer, der während eines DFB-Pokalspiels bei einem vier Ligen niedriger angesiedelten Gegner nicht durch seine (zweifellos vorhandenen) technischen Fähigkeiten auffällt, sondern durch Meckern, das Fordern eines Platzverweises für einen Gegenspieler und letztendlich sogar dadurch, dass er seinem Bewacher eine Ohrfeige geben will? Eine Körperöffnung am Heck des menschlichen Körpers? Das sehen wohl die meisten Menschen so – selbst die, die mit Fußball sonst nichts am Hut haben.

Ermittlungen in die falsche Richtung

Dass hier eine Strafe folgen sollte, scheint logisch. Und wirklich will der DFB, der Veranstalter des gleichnamigen Pokals, hier gleich ein “P” vorsetzen. Allerdings ermitteln die Frankfurter nicht gegen denjenigen, der sich 90 Minuten lang so richtig schlecht benommen hat. Sondern gegen einen Akteur des Gastgebers, weil der die passenden Worte dafür fand.

“Lex Poldi” sorgt für Lukas’ Amnestie

Unglaublich? Eigentlich ja. Und doch passiert zur Stunde genau das: Der Emder Stürmer Paulo Rizzo darf mit einer Strafe seitens des DFB rechnen, weil er Lukas Podolski, ehemalige deutsch-polnische Sturmhoffnung, als Arschloch bezeichnete. Zwar als positives, aber das spielt keine große Rolle. Prügelprinz Poldi dagegen geht straffrei aus. Das hat der DFB bereits klar gemacht.

Was kostet einmal “Arschloch”, bitte?

Verkehrte Welt in Frankfurt! Der Verursacher darf sich ins Fäustchen lachen, dafür wird ein Fünftligaspieler womöglich zur Kasse gebeten. Wie hoch die Strafe ausfallen wird, ist dabei nicht klar. Mario Gomez, der für seinen Bundesliga-Kontrahenten Maik Franz einst identische Worte fand, kam mit 8000 Euro davon. Gemessen am Einkommen dürfte Rizzos Strafe dann wohl um die zwei Euro fuffzich liegen.

Kölner Express als Anwalt des Prügelprinzen

Eine gewisse Mitschuld an dieser verqueren Situation tragen wohl auch die Kollegen der Printmedien. Bemerkenswert faktenresistent betonte besonders der Kölner Express immer wieder die Beleidigung Rizzos, ohne auf die vorhergegangene Spielweise Podolskis einzugehen. Journalistische Sorgfaltspflicht? Fairness? Keine Spur! Blinde Meinungsmache trifft es da eher. Auf jeden Fall haben hier einige Kollegen dem Berufsstand keinen großen Gefallen getan. Denn Objektivität ist eigentlich Journalistenpflicht. Hier die Vereinsbrille aufzusetzen sollte eigentlich mit dem Entzug des Presseausweises geahndet werden.

Kein Fairplay des DFB

Wie die Sache auch immer ausgeht, bereits jetzt hat sich der DFB lächerlich gemacht. Mit breitem Rücken stellt man sich vor einen um sich hauenden Profi, während ein Amateur, der einfach nur ausspricht, was sich Tausende vor Ort und vor den Fernsehgeräten bereits gedacht haben, bestraft wird. Fair geht vor? Nicht beim DFB.

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3 Responses to Lex Poldi: Prügelprinz bleibt ohne Strafe

  1. Pingback: Fake-Krabben aus Berlin für Paulo Rizzo | togoblog

  2. bigbrother says:

    Zitat Michael Meier: “Es wäre die Aufgabe des Schiris gewesen, da frühzeitig einzugreifen. Manuel Menzel hat den Lukas schon nach zehn Minuten umgehauen.
    Dafür hätte es gelb geben müssen. Die Emder haben ihre fehlende Klasse und Kraft durch Treterei ausgleichen wollen. Ich denke aber, dass Poldi in der Bundesliga mehr geschützt wird.“
    Damit ist alle gesagt.

    • togo says:

      Mit dieser Aussage hat Herr Meier nun also auch eine geistige Insolvenz bewiesen. Denn schließlich geht es hier um eine Tätlichkeit eines Spielers, die dem Schiedsrichter entgangen ist. In vielen vergleichbaren Fällen (da Silva von Cottbus zB) gab es später Sperren und Strafen. Sollte Podolski straffrei ausgehen, hätte der DFB lediglich bewiesen, dass er mit mehrfachem Maß misst. Sollte Paulo Rizzo sogar eine Strafe zahlen müssen, ist es ein handfester Skandal.
      Ob Podolski gefoult wurde oder nicht, ist da komplett unerheblich. Denn diese Fouls hat der Schiedsrichter geahndet – oder nicht. Das sind dann die so liebgewonnenen Tatsachenentscheidungen. Eine nicht gesehene Tätlichkeit ist da eben ein ganz anderes Paar Schuhe.
      Dass Herr Meier sich da vor seinen Spieler stellt, ist verständlich. Das macht es sachlich aber nicht weniger falsch.

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