Ach, ich mag den DFB irgendwie. Die lustige Rentnertruppe aus Frankfurt (am Main) bringt uns doch immer wieder zum Staunen – und manchmal sogar zum Lachen!
Naive Kampfreformer
Der diesmalige Klops der selbsternannten Kampfreformer des Fußballs ist fast schon als mitleidserregend zu bezeichnen. Denn einerseits beweist der DFB, dass er zwar registriert, dass seine Mitglieder unzufrieden sind. Andererseits ist es bemerkenswert naiv, wie der größte Sportverband der Welt darauf reagiert.
Fernsehfußball trocknet Amateurbasis aus
Der Reihe nach: Seit einigen Jahren werden die Spieltage der Fußball-Profiligen immer mehr zerhackstückt. Dadurch, dass an möglichst vielen Tagen zu möglichst verschiedenen Zeiten Spiele besonders der Ersten Bundesliga stattfinden, erlösen die Initiatoren mehr Einnahmen durch Übertragungsrechte und Werbung. Leidtragende sind dabei die Amateurvereine, die immer mehr unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre Partien austragen, weil die Liveübertragungen im Fernsehen wirklich genutzt werden. Der FC Bremerhaven zum Beispiel hat sein erstes Heimspiel der neuen Saison vor etwa 60 Zuschauern ausgetragen. Zeitgleich war das Vereinsheim des FCB gerappelt voll – dort lief Bundesligafußball via Bezahlfernsehen.
Der DFB kapituliert vor der DFL
Die Vereine meckern. Die Liste der Änderungen, die der DFB seit einigen Jahren zugunsten der wenigen Profivereine durchgesetzt hat (oft ohne Widerstand der Amateurbasis, die sich wirklich amateurhaft verhält), ist ebenso lang wie schmerzhaft. Die Profiligen werden immer mehr zur geschlossenen Gesellschaft, Amateurfußball hat vielerorts nur noch das Niveau von Thekensport, weil die Perspektiven fehlen. In diese Situation herein hat der DFB / die DFL die Aufdröselung des Bundesligaspieltags beschlossen. Die früher übliche (und auch nötige) zeitliche Trennung von Profi- und Amateurfußball ist weggefallen. Zukünftig muss der Kreisligist mit der Fernsehübertragung von Bayern München konkurieren. Nicht einmal, sondern fast jede Woche.
DFB bringt SKY ins Spiel
Der DFB hat jetzt auf den Protest der Basis reagiert. Nicht, indem man etwa zu einer verträglicheren Regelung zurück gefunden hätte. Das geht nicht, denn der DFB verhält sich der DFL gegenüber wie ein zahnloser, alter Wachhund. Nein, man handelt ausgerechnet mit der Ursache der Probleme – dem Bezahlsender SKY – ein “exklusives Angebot” für die Vereinsheime aus – damit noch mehr von ihnen Live-Fußball präsentieren, und damit noch weniger Zuschauer sich die Amateurspiele vor Ort anschauen! Oliver Fritsch hat das Anschreiben eines Landesverbands für seinen “Blog für den kritischen Fußballfreund” eingescannt und online gestellt. Was sofort auffällt: Der Landesverband scheint darüber gar nicht so glücklich zu sein.
Zahnloses Angebot für die Vereinsheime
Und das “tolle” Angebot von SKY hat einige Schönheitsfehler… so bietet der Nachfolger von PREMIERE lediglich die Sonntagsspiele der ERsten und Zweiten Bundesliga zur Vorführung an. Die Partien vom Freitag, Sonnabend und aus der Champions League fehlen komplett. Dazu verpflichten sich die Vereinsheime dazu, Merchandiseartikel des Senders zu nutzen und präsentieren.
Vereine sollen Mitgliederdaten liefern
Der größte Hammer aber dürfte sein, dass SKY sich aus den Mitgliederlisten der Vereine bedienen will, um Reklame zu verschicken. Richtig gelesen! Die Vereine sollen – als kleine Gegenleistung sozusagen – die Namen und Adressen ihrer Mitglieder rausrücken. Das ist doch mal ein Plan: Ich verkaufe eine kastrierte Version eines meiner Angebote (für 49 Euro im Monat!) an die Leidtragenden des Angebots und bekomme noch dazu für lau eine Menge Adressen, an die ich ungewollte Werbung verschicken kann! Perfider geht es kaum noch.
Der Datenschutz als letzte Hürde und Hoffnung
Was SKY und dem DFB dabei einen Strich durch die Rechnung machen könnte, ist der Datenschutz. Als ich Mitglied eines Sportvereins wurde, habe ich ganz sicher einer gewerblichen Nutzung meiner Daten (->Werbung) nicht zugestimmt! Und ohne diese Zustimmung wird SKY die Daten der Mitglieder nicht bekommen können. Eine genauere Betrachtung des Problems findet sich im “Allesaußersport-Blog“.
Die letzten Tage des DFB
Es ist tragikomisch anzusehen: Der einst dermaßen gegen jede Kommerzialisierung eingestellte DFB, der längst jeden Einfluss auf seine in der viel mächtigeren DFL organisierten Profivereine verloren hat, verhökert seine verbleibenden Mitglieder an einen der größten Auswüchse der Kommerzialisierung des Sports: Das Pay-TV! Längst gibt es Stimmen von der Basis, die sich einen Austritt aus dem DFB und einen Neuanfang mit einem wirklich unabhängigen, dem Wohl des Sports gewidmeten Verband wünschen. Das einzige, was den DFB zurzeit noch rettet, ist die Bequemlichkeit der Vereine. Bis die ersten austreten und sich emanzipieren.



Schöner Beitrag. Wer sind denn die kritischen Stimmen, die über einen Austritt aus dem DFB sinnieren?