Am 27. September ist Bundestagswahl! Und wohin man auch schaut, überall tobt bereits der Wahlkampf. Haben die Parteien aus dem Europawahl-Fiasko gelernt und liefern einen originelleren, interessanteren Wahlkampf ab? In einer kleinen Serie nehme ich mir besonders die Plakatierungen der Parteien vor. Teil eins: Die Christlich-Demokratische Union (CDU).
Die Menschen müssen die Politik der CDU unglaublich toll finden. Anders lassen sich die recht guten Wahlergebnisse der Christdemokraten nicht erklären, denn an ihrem Wahlkampf kann es nun wirklich nicht liegen. Hach, was waren das noch für Zeiten, als die Union den politischen Gegner auf ihren Plakaten unmissverständlich attackierte und sich selbst positionierte. “Komm aus Deiner linken Ecke” – erinnern Sie sich? Eine junge Frau mit Boxhandschuhen, lächelnd und mit Blümchen zwischen den Lippen? 1976 war die CDU mit ihr angetreten, um die sozial-liberale Koalition zu beenden. Geholfen hat es bekanntlich nix. Obwohl die Unionsparteien mit 48,6% die stärkste Kraft wurden, blieb rot-gelb im Amt. Denn andere Parteien spielten damals keine Rolle. So erhielten CDU/CSU, SPD (42,6%) und FDP (7,9%) damals insgesamt 99,1 % der abgegebenen Stimmen! Helmut Schmidt blieb deswegen Kanzler – er hatte erst 1974 den depressiven und Alkohol kranken Willy Brandt (war über die Spionageaffäre Guillaume gestolpert) beerbt.
Selbst die Rote-Socken-Kampagne hatte noch Charme – auch wenn sie bereits ein sichtbarer Vorbote der zahnlosen Zeiten war, die wir jetzt erleben. Denn positionieren wollen sich die Christdemokraten anno 2009 nicht mehr so richtig. Dass man besser für die Menschen und das Land sei, das ist die zentrale, langweilige Aussage.
Richtig schrecklich wird es aber bei der Aussage “Wir haben die Kraft”, einer schlecht gelungenen Adaption des Obama-Slogans “Yes, we can”. Ja, wofür hat die CDU denn bitte die Kraft? Nichtssagender kann ein zentraler Wahlkampfspruch nicht ausfallen. Für mich persönlich weckt dieses “Wir haben die Kraft” auch noch negative Erinnerungen. Denn bei der Oldenburger Bürgermeisterwahl 2001 trat die SPD mit Dietmar Schütz und der Aussage “Oldenburger Kraft” an – eine niveaulose Anspielung darauf, dass der bisherige OB Dr. Jürgen Poeschel ja kein gebürtiger Oldenburger sei, sondern aus Hildesheim käme… Tja, in Oldenburg scheint man auf Chauvinismus zu stehen, denn Schütz gewann die Wahl. Als kleine Strafe boxte er diverse Projekte gegen den Willen der Bürger durch. Bei den Betroffenen also keine Freude durch Oldenburger Kraft
Aber zurück zur großen, zur Bundespolitik: Ein wenig habe ich das Gefühl, dass sich die CDU wegen der recht guten Umfrageergebnisse zurück hält. Wahlkampf mit angezogener Handbremse – kann das gut gehen? Ich bin mir ziemlich sicher, dass das die Christdemokraten einige Prozentpunkte kosten wird. Aber das ist ein hausgemachtes Problem.






