Es gibt Türen, die sollten für immer geschlossen bleiben. Denn wenn sie erst einmal geöffnet sind, bleiben sie das auch. Und was dann durch diese Türen herein kommt, ist nicht mehr zu kontrollieren. Das sollte eigentlich zum Allgemeinwissen gehören.
Die Rede ist dieses Mal nicht von den ebenso übertriebenen wie nutzlosen Versuchen einiger Politiker, das Internet zu zensieren. Leider neigen auch ansonsten kühl agierende (und bisher eher positiv auffallende) Firmen zu unüberlegtem Handeln und stoßen durch ihre Gedankenlosigkeit eben diese Türen ganz weit auf.
Gewinne, wo andere Verluste einfuhren
Es geht um die Eisenbahngesellschaft “Metronom” mit Sitz im niedersächsischen Uelzen. Seit Ende 2003 bewirtschaftet der “Metronom” Bahnstrecken mit Erfolg, die die Deutsche Bahn vorher als defizitär bezeichnete und für private Gesellschaften frei gegeben hatte. Über den “Metronom” konnte man bisher nur Gutes sagen: Saubere, pünktliche Züge, freundliches Personal, im Vergleich zur Deutschen Bahn geradezu genial abgestimmte Fahrpläne. Ja, ich bin gern mit dem “Metronom” gefahren. Aber damit ist jetzt Schluss.
Sippenhaft, ohne das etwas passiert ist
Warum? Nun, gestern musste ich lesen, dass die Bahngesellschaft “Metronom” entschieden hat, eine komplette, mehrere Tausend Menschen umfassende Gruppe vorübergehend von der Beförderung in seinen Zügen auszuschließen. Ohne, dass diese Gruppe irgend etwas getan hätte. Ein Skandal? Möchte man meinen. Zumindest aber ist das Verhalten dumm. Denn der willkürliche Ausschluss sorgt für Diskussionen – nicht nur innerhalb der betroffenen Gruppe, sondern in der gesamten Republik. Und das Verhalten der Bahngeselschaft dürfte einmalig sein in der deutschen Eisenbahngeschichte. Aber die läuft ja erst seit 1835.
Wer keine Lobby hat, dem ist alles zuzutrauen
Um wen handelt es sich? Um Fußballfans, die sich mit Vereinsinsignien schmücken und dadurch erkennbar sind. Fast möchte man “natürlich” sagen, denn Fußballfans haben bekanntlich eh keine Lobby. Schließlich sind sie gewaltbereit, laut und sowieso nur besoffen. Das zumindest ist das Bild, das seit einiger Zeit der nicht sonderlich informierten Öffentlichkeit erfolgreich suggeriert wird. Dass das Blödsinn ist, wissen die Fans. Aber was sollen sie machen? Die Mittel, sich zur Wehr zu setzen, sind begrenzt.
Wenn zwei sich streiten, ist einer sofort der Schuldige?
Die Begründung, warum der “Metronom” eine komplette Fangruppe nicht zur Auswärtsfahrt anreisen lassen will, steht noch aus. Höchstwahrscheinlich wird behauptet werden, man habe so handeln müssen, um Konflikte zwischen rivalisierenden Fangruppierungen zu verhindern. Für weniger kritische Geister wird diese Erklärung ausreichen, wenn bekannt ist, um welche Fangruppierungen, die man hier angeblich trennen will, es geht: Um die Fans von Eintracht Braunschweig und Hannover 96, die am heutigen Sonnabend zu ähnlichen Zeiten auf dem Weg zum Auswärtsspiel in Regensburg respektive Nürnberg unterwegs sein werden – keine sonderlich clevere Spielplangestaltung, aber so ist es eben.
Die Tür für weitere willkürliche Mitfahrverbote steht sperrangelweit offen!
Dass dieser Umstand, dass sich die Fans beider Lager nicht sonderlich mögen, allerdings kein wirklicher Grund dafür sein kann, den Fans der einen Gruppierung die Mitfahrt in den Zügen mal eben im Voraus zu verbieten, liegt auf der Hand. Denn hier fängt die Willkür an: Welche Gruppe darf fahren, welche nicht? Und diese Willkür, wenn man sie einmal geduldet hat, öffnet Türen. Wer darf morgen nicht mitfahren, nur weil eventuell wer anderes schon im Zug sitzt?
“Im Mittelpunkt der metronom Unternehmensphilosophie steht der Kunde: Er ist der Maßstab unseres Handelns. Seine Zufriedenheit ist unser Erfolg. Das ist kein Lippenbekenntnis, sondern täglich gelebte Realität in allen Unternehmensbereichen.” Zitat von der Homepage des Unternehmens. Liest sich gut, ist aber leider doch nur ein billiges Lippenbekenntnis. Denn auch Fußballfans sind Kunden.
Ich möchte keine Antworten auf diese letzte Frage ausformulieren. Jeder kann sich selbst ausmalen, was für Konsequenzen es hat, wenn man die Tür der willkürlichen Diskriminierung erst einmal aufgestoßen hat. Dass ausgerechnet ein bisher untadeliges Unternehmen sich auf diese Trasse begibt, stimmt mich traurig – besonders, weil ich bisher immer gern mit dem “Metronom” gefahren bin. Aber das ist jetzt vorbei. Mich bekommt niemand mehr in diese Züge. Denn wer Tausenden von Menschen die Mitfahrt “prophilaktisch” verbietet, weist ein eklatantes Defizit an Fairness auf – und letztendlich auch an Menschlichkeit.




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