Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig manche Firmen die Automatismen des Internets verstehen. Besonders, wenn gerade Anbieter, deren hauptsächlicher Marktplatz das WWW ist, sich so benehmen, als gäbe es keine Foren, Blogs, Newsfeeds etc., komme ich aus dem Wundern gar nicht mehr raus. Das neueste Beispiel dafür ist die Osnabrücker Firma Websuche Search Technology GmbH & Co. KG, die seit dem Wochenende die Inhaber verschiedenster de-Domains mit einem dreisten Angebot belästigt (siehe u.a. bei basicthinking).
Hohe Wellen für 99,- Euro
Seitdem schlagen die Wellen hoch in der Web-Gemeinde. Kurze Erinnerung: Die private Firma schickte an tausende Domain-Eigentümer Briefe, in denen unter dem Vorwand eines angeblichen rechtlichen Klärungsbedarfes angeboten wurde, eine Subdomain zum Schleuderpreis von 99,- Euro zu bestellen, also zum Beispiel marill.co.de. Dabei erweckte die Firma den Eindruck, sie sei eine amtliche Vergabestelle und schmiss mit Fachtermini nur so um sich. Wie man am besten auf diesen Brief reagiert, zeigt Ulf Hundeiker.
Krisenkommunikation der Güteklasse Jack Wolfskin
Von einer Firma, die das Netz und die immer stärker werdende Position der Nutzer kennt und richtig einschätzt, hätte ich jetzt eine umgehende Krisenkommunikation erwartet. Auf der eigenen Webseite, in den Blogs, als Pressemitteilung. Aber? Nichts! Mal wieder glaubt eine Firma, sie könne öffentliche Kritik einfach aussitzen. Wie fatal diese Fehleinschätzung ist, zeigte jüngst das Beispiel Jack Wolfskins. Der Bekleidungs-Billigheimer mit den hohen Preisen mahnt seit Jahren verschiedenst ab, weil er meint, dass alles, was einer Tierpfote auch nur im Entferntesten ähnelt, seine Markenrechte verletzen würde *runzel*. Die Sache flog wegen eines Blogartikels auf, das Netz tobte. Auch Jack Wolfskin versuchte, die Abmahn-Affäre auszusitzen. Das ging mächtig in die Hose, das Thema schwappte bald über zu den Medien. Am Ende musste Jack Wolfskin die beanstandeten Abmahnungen Zähne knirschend zurück nehmen. Das soziale Verhalten des Unternehmens steht seitdem unter Beobachtung, die bereits erlebten Umsatzeinbußen dürften schmerzen.
Schweigen auf allen Kanälen
Auch die Websuche Search Technology GmbH & Co. KG macht jetzt diesen Fehler und schweigt auf allen Kanälen. Der geplante Subdomain-Verkaufsboom gerät zu einem Fiasko für die Firma, die in der öffentlichen Diskussion aktuell viel einstecken muss. Doch trotz der Schelte, vieler Protest-Mails und -Faxe, trotz einer Legion von Blogbeiträgen mit entsprechenden Kommentaren, aus Osnabrück kommt keine Reaktion. So darf sich die Netzgemeinde widerspruchslos über den Überrumpelungsversuch beschweren und den Ruf der Firma auf diese Weise nachhaltig beschädigen.
Bildungstipp für Osnabrück
Ein weiterer Lesetipp für alle Firmen, die das Netz und dessen Nutzer nicht Ernst nehmen wollen, findet sich übrigens beim Handelsblatt. Der Artikel ist eine Pflichtlektüre für alle, die im Internet etwas verkaufen oder anbieten wollen. gibt es das Handelsblatt in Osnabrück nicht?




Du bist also auch Betreiber einer der wichtigsten Domains im Deutschen Raum….
Der Handelsblatt-Artikel paßt. Die haben jetzt reichlich schlechte Presse. Dabei wäre das ja nicht das erste Mal, daß durch die Blogosphäre und Twitter etwas nach hinten losgeht oder ein Skandal aufgedeckt wird.