Ich habe heute Nacht nicht sonderlich gut geschlafen. Die ganze Zeit träumte ich von einem wildfarbenen Nymphensittichhahn, der draußen auf den Bäumen sitzt und in der ungewohnten Kälte immer schwächer wird, bis er letztendlich entkräftet zu Boden stürzt und dort Opfer einer Katze wird.
Leider kein Traum
So komplett geträumt war das allerdings nicht. Denn diesen Nymphensittich gibt es wirklich. Und was aus ihm geworden ist, wollte ich mir eigentlich gar nicht vorstellen. Das hat dann, heute Nacht, mein Unterbewusstsein erledigt. Selbsttäuschung wäre so ein tolles Konzept, wenn es funktionieren würde.
Fatale Freiheit
Aber der Reihe nach: Gestern entdeckten meine Frau und ihre Freundin Antje zum Abschluss eines Winterspazierganges mit Hund plötzlich einen frei fliegenden Nymphensittich, der aus einer Außenvoliere oder – schlimmer noch – aus einem Zimmer entkommen sein muss. Er landete auf dem Nachbargrundstück in einem Baum und wartete ab. Klar, er kannte die Situation nicht, die Umgebung noch weniger. Antje rief mich schnell dazu, und für über eine Stunde versuchten wir, den Vogel einzufangen.
Kein Erfolg
Ihr könnt Euch denken, dass wir keinen Erfolg hatten. Der Nymph antwortete zwar ab und zu auf mein Gezwitscher, aber er konnte nicht dazu bewegt werden, näher zu kommen oder sich sogar in den mittlerweile herbei geholten Käfig (mit auffällig positionierter Kolbenhirse) zu begeben. Im Gegenteil suchte er sich immer schlechter zugängliche Plätze in den Bäumen. Als er dann für einige Zeit aus unserer Sicht verschwand, brachen wir die Aktion ab.
Zwei Stunden Hoffen und Bangen
Allerdings nicht ganz. Den Käfig positionierten wir in meinem Arbeitszimmer am offenen Fenster. Der Vogel hätte ihn sehen und anfliegen können. Nach weiteren zwei Stunden schloss ich das Fenster…
Gedämpfte Stimmung beim Tee
Das war kein schöner vierter Advent. Beim Tee waren wir alle drei etwas gedämpfter Stimmung, und mein Unterbewusstsein übernahm heute Nacht den Rest.
Keine Hilfe, dafür blöde Sprüche
Was mich richtig wütend machte: Keiner der Passanten und niemand aus der Nachbarschaft wollte helfen. Die Unterstützung beschränkte sich auf blöde Sprüche und neugierige Blicke. Dabei hätte schon ein Fischkescher mit Stiel helfen können. Die Zuschaukultur in Deutschland, die ich ein Stück weit überwunden glaubte, ist also nach wie vor existent. Auch der Tierschutz Bremerhaven, den Antje zwischendurch anrief, zeigte sich wenig motiviert und noch weniger sachkundig. Den Anruf hätten wir uns also sparen können.



