Zum Jahreswechsel brennt regelmäßig die Luft. Nicht nur die reale, durch die eine Vielzahl an Feuerwerksraketen fliegen und unschuldige Vögel als Kollateral-Zielscheibe benutzen. Auch im Äther knistert es: Millionen von Kurzmitteilungen (SMS) versuchen bereits Stunden vor Mitternacht ihr Ziel zu erreichen.
Bobmobile sendet “Silvestergrüße”
Ich schalte mein Mobiltelefon in der Regel rechtzeitig aus und nehme mich so ein Stück weit raus aus dem Tipp-Stress. Meine Leute wissen auch ohne alkoholschwere Tippfehler-Sonate, dass ich ihnen für das kommende Jahr nur das Beste wünsche. Und gut ausgeschlafen macht es doppelt so viel Spaß, die geistigen Ergüsse der eigenen Freunde und Familie zu genießen
Doch dieses Mal hatte sich eine SMS unter die üblichen geschoben, die so gar nicht ins Konzept passen wollte. Da schien mir eine Firma “bobmobile.de” ihre Neujahrswünsche untergejubelt zu haben. Und diese Wünsche haben anscheinend nur mit Geld verdienen zu tun.
Der Text der SMS lautet wie folgt:
Bezahlcode=Passwort [vierstellige Zahl] im Web eingeben fuer nur 2,99 EUR/Woche/Abo zzgl. ggf. Datengebuehren gemaess Ihres Vertrages. Mehr Produkte: [Webadresse von bobmobile.de]
Ich muss zugeben, jetzt war ich erstmal platt. Natürlich habe ich zu keinem Zeitpunkt ein Abo bei Bobmobile oder sonst einem dieser Nutzlos-Dienste abgeschlossen. Wenn ich der Meinung bin, dass ich einen neuen Klingelton brauche, schneide ich ihn mir selbst. Und Handygames brauche ich schon mal gar nicht.
Wie kommt bobmobile.de an meine Mobilfunknummer?
Wie aber kommt diese seltsame Düsseldorfer Firma an meine Nummer? Da kann man nur spekulieren. Hat sie Daten aus zwielichtigen Quellen gekauft? Oder einfach mal blind ein paar Millionen SMS an zufällige Nummern verschickt? Letztendlich ist es egal. Ich habe nichts mit dieser Firma zu tun und will es auch gar nicht. Die SMS wird von mir also ignoriert. Auf keinen Fall werde ich die Webseite aufsuchen und diesen Bezahlcode = Passwort eingeben! Wer weiß, ob ich damit nicht sogar ein Abo abschließe (zumindest nach der Auffassung der Firma bobmobile.de)? Der Einfallsreichtum der Nutzlos-Branche ist ja grenzenlos, was das Konstruieren irgendwelcher Verträge angeht.
bobmobile ist voll dabei
Erste oberflächliche Recherchen ergeben übrigens, dass die Firma Bobmobile.de und die dahinter steckende Bobmobile AG (wirklich! Man kann mit so einer Pillepalle eine Aktiengesellschaft gründen!) keine Unbekannte unter Abzocke-Opfern sind. Allein beim Lesen dieses Forums läuft es einem eiskalt den Rücken herunter. Aber wir wissen ja: Sobald die Bundesnetzagentur von diesem Gebaren Wind bekommt, setzt es saftige Bußgelder! Womöglich fast 680 Euro!
UDATE: Abo-Falle wird mit Eingabe des Passworts ausgelöst!
UPDATE: Der Passus Bezahlcode=Passwort ist die Abo-Falle! Denn mit Eingabe dieses Codes auf der Webseite von bobmobile.de gibt man de facto das Einverständnis, den “fälligen” Betrag von der nächsten Rechnung bzw. vom Prepaid-Guthaben abzubuchen! Hintergrund: Diese Art der Sofort-Bezahlung wird in der Regel von seriösen Anbietern genutzt, um ihren Kunden eine komfortable Abrechnungsmöglichkeit zu bieten. Dabei wählt der Kunde ein Produkt aus, gibt seine Mobilnummer zwecks Bezahlung an und erhält umgehend einen Bezahlcode auf sein Telefon geschickt. Diesen Code gibt der Kunde anschließend auf der Webseite des Anbieters an, womit das Produkt bezahlt ist – die fällige Summe wird bei der nächsten Rechnung einfach mit abgebucht bzw. sofort vom Guthaben der Prepaid-Karte abgezogen. Die genauen Abläufe findet Ihr zum Beispiel hier.
Unverlangte SMS für ungewollte Produkte = ungültiger Vertrag (wenn überhaupt…)
Bei bobmobile.de läuft es im Prinzip genauso. Nur mit dem Unterschied, dass ich zum Beispiel mich niemals für ein Produkt der Düsseldorfer Firma interessiert habe, meine Handynummer also auch nie auf deren Seite angegeben habe. Hier wird also versucht, überraschte Menschen in eine Abo-Falle zu locken, indem man ihnen vorgaukelt, es handele sich um ein Passwort. Dass man mit der bloßen Eingabe dieses Zahlencodes einen Vertrag abschließt (der zwar nicht gültig ist, weil man sich in dem Moment über die Vertragsinhalte gar nicht bewusst sein kann), wird aus der SMS so nicht klar.
Ich werde meinen Netzbetreiber von diesem plumpen Versuch in Kenntnis setzen und hoffe, dass er seine Konsequenzen daraus zieht (was er wohl leider nicht tun wird, denn auch er verdient mit, wenn bobmobile.de Dienste “verkauft”). Gleichzeitig werde ich meine nächste Mobilfunkrechnung noch genauer studieren als bisher.



Habe auch diese Spam von Bobmobile erhalten und weiß in etwa auch woher die Bande meine Nummer hat: November/Dezember 2009 gabs ein Gewinnspiel bei dem man 50 Autos gewinnen konnte. Wurde unter anderem in Galileo auf Pro Sieben beworben. Ich Esel hab bei diesem Mist teilgenommen (Gewonnen hat bestimmt eh keiner ein Auto). Veranstallter war die imobic GmbH…und ratet mal wer Teilhaber an dieser GmbH ist…ja…Bobmobile. Der Bob hat sich also mal kurz die Daten geschnappt und will die Leute nun mit seinen Abos “beglücken”.
Schweinerei !