Wenn man den Medien glaubt, bricht heute im Laufe des Tages das Unheil über uns herein. Daisy, ein Schneesturm und dem Vernehmen nach dem Antichristen gleichgestellt, habe sich angesagt und wolle Deutschland mit meterhohem Schnee zudecken. Manche spekulieren sogar, dass Daisy die Stärke eines Blizzards erreichen könne.
Grünkohl gegen den Schneesturm
Wir sind sowieso gut gerüstet. Die üblichen Wocheneinkäufe sind nicht umfangreicher ausgefallen. Allerdings gab es auf dem Wochenmarkt in Geestemünde frisch zubereiteten Grünkohl (in meiner Heimat sagt man ja eher Braunkohl, aber da ich hier in der Unterzahl bin, passe ich mich eben an) mit Kassler und Pinkel. Davon haben wir uns auch noch ein paar Portionen mitgenommen. Da der Erlös einem guten Zweck zukommt, wird er sicher doppelt so gut schmecken.
Lokalpresse auf Expertenniveau – im Tiefflug!
Allerdings glauben wir nicht so recht daran, dass es hier oben wirklich großes Schneemalheur geben wird. Und mit diesem Unglauben sind wir in Bremerhaven anscheinend nicht allein. Auch wenn unser Lokalblättchen “Schnee-Chaos ist im Anflug” titelt, die Wesermünder haben die Läden nicht gestürmt und keine Hamsterkäufe getätigt.
Schneemalheur in Ostfriesland 1978/79. Wehe, Daisy ist sanfter!
Wer profitiert von Daisy?
Und mit diesem Verhalten zeigen die Bremerhavener (und wohl auch eine Menge anderer Menschen landesweit), dass sie besonnener sind als die so genannten Experten, die in Funk, Fernsehen und Printmedien dazu aufrufen, die Läden leer zu kaufen und sich auf sibirische Umstände vorzubereiten. Was diese “Experten” dazu treibt, ständig neue Horrorszenarien zu prophezeien, ist mir ein Rätsel. Bei Vogel- und Schweinegrippe konnte man die Panikmache ja noch damit erklären, dass die Pharmafirmen dringend Geld benötigen. Aber bei einem Blizzard? Wer soll hier die Provisionen zahlen? Aldi und Lidl? Blödsinn.
Sehnsucht nach Aufregung im langweiligen Deutschland
Es ist wohl eher die Langweile, die manche “Fachleute” dazu treibt, sich mit überzogenen Warnungen wichtig zu machen. Wir leben in einem langweiligen Land. Echter Hunger oder Frieren sind eine komplette Ausnahme – und selbst bei diesen Fällen könnte oft geholfen werden, wenn die Betroffenen sich helfen lassen würden. Die Grundbedürfnisse sind also seit Generationen befriedigt. Die Sehnsucht nach Aufregung dagegen bleibt auf der Strecke. Anders ist es wohl auch nicht zu erklären, warum immer neue Katastrophenfilme ins Kino kommen – und hervorragende Ergebnisse einspielen.
Wer soll das noch Ernst nehmen?
Ein ungewolltes, aber gefährliches Nebenprodukt dieser Effekthascherei ist allerdings, dass viele Menschen zukünftige Warnungen nicht mehr ganz so Ernst nehmen. Bei der so genannten Vogelgrippe haben sich noch Hunderttausende mit Tamiflu aus zum Teil fragwürdigen Quellen versorgt. Dagegen wurde die Schweinegrippe von der breiten Öffentlichkeit (zu Recht) ignoriert. Dass das große Geschäft für die Pharmakonzerne trotzdem stattfand, verdanken sie lediglich Bund und Ländern, die ohne jeden Sachverstand und ohne die nötige Kritikfähigkeit auf die Rattenfängermelodien der “Experten” herein gefallen sind und immense Mengen Impfstoffe orderten. Hm, kann man diese “Experten” dafür eigentlich in Regress nehmen? Das wäre doch mal ein Anfang.
Daisy, wir fahr’n nach Lodz!
Okay, Daisy, jetzt liegt es an Dir. Widerlege mich! Überziehe uns mit Schnee und arktischer Kälte – meine Kamera liegt schußbereit auf der Kommode!




Also hier ist Daisy auch nicht erschienen. Die Schneemassen konnte ich mit dem Salzstreuer aus der Küche bewältigen
Mal wieder ein Medienorkan um nichts.
Gruss
Klaus
Ich habe auf jeden Fall vorgesorgt: http://mug.im/1kip4
Immerhin sind das Regierungsinformationen vom Bundeskatastrophenamt. Und die Partei hat immer Recht.