Torsten Frings – ein Opfer der Nutella-Schwaben-Verschwörung?

Nun ist es amtlich: Bundestrainer Joachim Löw verzichtet für die WM 2010 in Südafrika auf Torsten Frings. Die Begründung klingt auf den ersten Blick plausibel: Er habe auf Frings’ Position genügend Alternativen, die allesamt jünger seien als der 33jährige Bremer, so Löw. Sportlich würde Frings das Team nicht voran bringen.

Inkonsequentes Vorgehen von Löw

Auf den zweiten Blick aber wird klar, dass Löw hier nur eine Ausrede vorschiebt. Denn, wenn er die gleichen Kriterien wie bei Frings auch bei den anderen Spielern anlegen würde, dann müsste sein Kader, den er zum Leistungstest geladen hatte, auf einigen Positionen anders aussehen:

  1. Christian Träsch – Der 22jährige Stuttgarter hat vielleicht irgendwann einmal das Potential für die Nationalmannschaft. Gut möglich. Aber mit einer Durchschnittsnote von 3,73 bei einem mittelmäßigen Bundesligisten ist er heute noch weit davon entfernt, sich für die Nationalmannschaft eines Landes zu qualifizieren, das immerhin schon drei Mal Weltmeister wurde.
  2. Thomas Hitzlsperger – wenn es Löw wirklich um Leistung geht, dann hätte Hitzlsperger niemals zum Leistungstest eingeladen werden dürfen. Der Ex-Kapitän des VfB Stuttgart spielt eine miese Saison und hat bei den Schwaben erst seinen Stammplatz und kurz darauf die Kapitänsbinde verloren. Trotzdem darf er sich Hoffnungen machen, mit zu einer Weltmeisterschaft zu fahren.
  3. Christian Gentner – seine Auftritte in dieser Saison hatten in etwa die gleiche Qualität wie die Spiele seines Noch-Arbeitgebers, der VW-Betriebssportmannschaft “VfL” Wolfsburg. Mit einem Notendurchschnitt von 3,63 sollte auch Gentner kein Thema für die Nationalmannschaft sein. Ist er aber. Warum?
  4. Miroslav Klose – Ein Stürmer wird in der Regel an seinen Toren gemessen. Für den FC Bayern München gelang Klose in dieser Saison bisher erst ein einziges: Am vorletzten Spieltag gegen den gefühlten Kreisligisten TSG Hoffenheim. Dazu wurde er die letzten drei Partien sogar nur eingewechselt. Sein Notendurchschnitt liegt bei 4,5 – in jeder Schule wäre die Versetzung damit akut gefährdet. Für Joachim Löw dagegen ist das ausreichend, den Spieler für die Nationalmannschaft zu nominieren!

“Du spielst beim VfB? Ab ins Nationalteam!”

Das sind nur vier Beispiele. Bei zahlreichen anderen Kandidaten für den Adler könnte man ebenfalls trefflich darüber streiten, ob sie die Überflieger sind, die unsere Nationalmannschaft voran bringen können. Aber diese vier reichen bereits aus, um zu zeigen, dass es Löw nicht um Leistung geht. Was für ihn wirklich wichtig ist? Nun, Träsch und Hitzlsperger spielen bei Löws altem Verein VfB Stuttgart, zu dem nach dieser Saison auch Christian Gentner zurück kehrt. Und der FC Bayern freut sich sicherlich über ein wenig Spielpraxis für den Ex-Topstürmer Miro Klose, wenn es schon nicht in der Bundesliga für ihn reicht. Vielleicht kommt er ja wieder in Form?

Leisetreter als Leistungsträger?

Es ist also sicherlich kein Nachteil für einen Spieler, beim VfB Stuttgart unter Vertrag zu stehen. Der Weg in den Notizblock von “Jogi” Löw ist allein damit schon merklich kürzer geworden, wie auch die andauernden Nominierungen eines Cacau – auch wenn der mittlerweile schon doppelt so oft getroffen hat wie Klose – gezeigt haben. Dazu kommt, dass Gentner, Hitzlsperger und Träsch allesamt noch eine weitere Gemeinsamkeit aufweisen können: Sie sind nicht gerade dafür bekannt, ihre Meinung allzu lautstark zu äußern und dafür einzutreten, was sie für richtig halten.

Löw ist nicht kritikfähig

Duckmäusertum als Nominierungsvorteil? Offensichtlich ja. Denn wenn man sich die Causa Frings mal genauer anschaut, kristallisiert sich dessen Selbstvertrauen als einziger echter Grund für den Rauswurf heraus. Sportlich kann es Frings mit jedem seiner von Löw genannten Konkurrenten aufnehmen. Dazu hat der 33jährige Kapitän des SV Werder Bremen genügend Erfahrung und Führungsqualitäten, um eine junge, teilweise noch grüne Truppe anzuleiten. Das Rasieren eines Leitwolfes ist also eher kontraproduktiv. Und doch hat es Löw getan. Weil Frings es gewagt hatte, öffentliche Kritik zu äußern. Eigentlich ein Grundrecht, möchte man meinen. Für Löw allerdings scheint Kritik unerträglich zu sein. Er reagiert dann wie ein kleines Kind im Sandkasten: “Du darfst nicht mehr mitspielen”. Egal, wie angebracht die Kritik als solche sein mochte. Löws Verhalten damals, als auch Michael Ballack kurz mal aufmuckte, zeigt, dass es hier um keinen Einzelfall geht: Hier ist ein Mann als Bundestrainer installiert worden, der über keinerlei Fähigkeiten verfügt, Menschen zu führen. Der mit Kritik überhaupt nicht umgehen kann. Und der viel zu wenig Selbstvertrauen besitzt, um echte Charaktere zu ertragen.

Ohne Typen wird das nichts

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hatte immer dann sportlichen Erfolg, wenn die Mannschaft voller “Typen” steckte und der Trainer mit ihnen umzugehen wusste. Löw sorgt mit aller Vehemenz dafür, dass solche “Typen” in der Nationalmannschaft keine Chance mehr haben. Für die WM in Südafrika lässt das das Schlimmste erwarten.

Stellt Nutella die Mannschaft auf?

Letztens äußerte ein Freund mir gegenüber allerdings noch einen anderen Erklärungsversuch: Torsten Frings sei bisher in keinem einzigen Nutella-Werbespot aufgetreten, deshalb habe Löw ihn nicht nominieren müssen. Wenn man sich anschaut, wer da so aufläuft und sich trotz mäßiger Leistungen weiterhin Nationalspieler nennen darf, dann ist diese Theorie zumindest nicht vollkommen abwegig ;)

This entry was posted in Allgemein, Fußball and tagged , , , , , , , , , , , , , , . Bookmark the permalink.

11 Responses to Torsten Frings – ein Opfer der Nutella-Schwaben-Verschwörung?

  1. Pingback: Auslosung für Europa und Champions League - Bremen gegen Sampdoria! | deinfussball.de

  2. Charly says:

    Zum Thema “Frings” gibt`s nur eines zu sagen:

    Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom!!

    Und Löw will anscheinend viele “tote Fische”. Die ihm nicht widersprechen und schön mit dem Strom schwimmen. Wackeldackel kann man auch dazu sagen!

    So ein “toller Hecht” wie Torsten es ist, kann er da nicht gebrauchen. Schade eigentlich. Denn mit den “toten Fischen” seh ich auch Deutschlands WM-Chancen den Bach runtergehen. Bei so viel “Fischen” kann ich nur sagen:

    Der Fisch stinkt doch vom Kopfe her!!!!!!!!!

    In diesem Sinne
    Charly

  3. Metzger says:

    Rolfes zeigt bessere Leistungen als Frings (nur leider jetzt verletzt). Aber wer den Zusammenhang nicht versteht, auch speziell in Richtung Kaderplanung einer WM, der ist kein geeigneter Diskussionspartner. ;-)

    • togo says:

      *lol* Habe gerade noch einmal nachgelesen… von Simon Rolfes ist nach wie vor keine Rede im Text. Das könnte man jetzt so deuten, dass ich seine Nominierung nicht kritisiere. Es liegt sogar nahe ;)
      Also, einfach bei dem bleiben, was auch wirklich geschrieben wurde. Dann klappt’s auch mit dem Diskussionspartner ;)

  4. Metzger says:

    Wichtig erschien dem Verfasser dieses Textes auch der Notenschnitt. Erst denken, dann schreiben. ;-)

    Rolfes: Notenschnitt 2,56. ;-)

  5. Metzger says:

    Hier werden zum Teil Äpfel mit Birnen verglichen.

    Was wird ein Klose mit Frings verglichen? Die spielen doch unterschiedliche Positionen oder? ;-)

    Fakt ist: Gegen Ballack, Schweinsteiger und Rolfes sieht ein Frings alt aus. Am Wochenende wurde er von den schnellen Bayern-Spieler andauernd düpiert.

    Er hätte lieber Stürmer werden sollen, dort sind die Chancen größer. ;-)

  6. NoFears says:

    Nach der WM wird man sich fragen wer oder was war Löw.
    Torsten Frings ist Nationalspieler und wir für mich immer Nationalspieler sein. Er verkörpert Teamgeist … Herz und Willen.
    Sein Namen wird immer für den deutschen Fußball stehen. Ein Löw der alles schön redet, keine Kritik verträgt… naja in der Vorrunde ist Schluss. Löw dann weg und alle werden merken woran es lag … und seine Stuttgarter und Leverkusner … hochgeredeten Nationalspieler haben wieder Ihre verdiente 0815er Spielerolle bei Ihren Vereinen.

  7. Pingback: Tweets die Torsten Frings - ein Opfer der Nutella-Schwaben-Verschwörung? | togoblog erwähnt -- Topsy.com

  8. Britta Stahl says:

    Problematisch wird es dann, wenn immer mehr von den Führungsspielern angeblich jüngeren Leistungsträgern weichen müssen, die in ihren eigenen Vereinen auch durch ältere Spieler geführt werden. Das Fehlen und schrittweise Reduzieren solcher Spieler lässt ein desaströses Abschneiden im Sommer erwarten!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>