Wenn der Präsi die Fans bepöbelt
Hannover 96 tut gerade alles dafür, abzusteigen. Normalerweise müsste ich mit einem Dauergrinsen durch die Gegend rennen, denn als Löwe kommt man bereits mit der herzlichen Abneigung gegen dieses hässliche und einfallslose Zahlenkonstrukt zur Welt. Und 48 mal 2 wird bei mir immer 97 ergeben. Trotzdem, seit dieser Saison ist das irgendwie anders.
Von Werder klauen heißt Siegen klauen
Die Ursache ist schnell gefunden: Ein etwa 50 Kilometer nördlich von Braunschweig beheimateter Autokonzern hat seine Betriebssportmannschaft in die Fußball-Bundesliga gekauft und ihr dort sogar zum Salatteller verholfen. Dagegen war der Pokalsieg der Roten (fast so lange her wie Eintrachts Deutsche Meisterschaft) regelrecht erträglich. Dieses Plastikgebilde, das von Werder Bremen die Vereinsfarben und den Wappenbuchstaben geklaut hat, ist mir derart zuwider, dass die gute alte Rivalität mit den Jungs aus der Möchtegern-Metropole ein gutes Stück in den Hintergrund tritt. Ich ertappe mich sogar manchmal dabei, dass ich nicht grinse, wenn die Roten mal wieder auf die Mütze bekommen haben!
Undenkbar, oder? Aber es geht noch weiter. Manchmal fühle ich mich fast schon solidarisch mit den Fans von Hannover 96. Denn deren Präsident Martin Kind – der gern mal dadurch auffällt, dass er demokratische Entscheidungen nicht akzeptieren kann und sofort zum Onkel Richter rennen will – hat jetzt bei einer Podiumsdiskussion der Schaumburger Printmedien SN und SZ gegen die eigenen Fans gepöbelt:
„Die Hannoveraner und die Region reagieren wie die Mannschaft. Wir haben in Hannover diesen negativen Kreislauf, es kotzt mich an. Sie sollten ‘mal die Mannschaft in der Krise unterstützen. [...] Eigentlich haben es die Hannoveraner gar nicht verdient, dass man für sie kämpft“
Ah ja. Das Klatschvieh soll also doch bitte stillschweigend akzeptieren, wenn die Mannschaft eine Partie nach der anderen in die Grütze setzt und mit Rumpelfußball dafür sorgt, dass selbst der frenetischste Fan keine Lust mehr hat, das Team nach vorne zu brüllen.Klingt logisch. Oder?
Ich bin gespannt, wie die Fans jetzt reagieren.




Aus dem Mann spricht die Frustration darüber, daß nicht einmal in Hannover auch nur ein Fan hinter seinem Feldzug gegen die 50+1-Regelung steht. Zudem ist es doch recht einfach, durch derartiges Gepöbel vom eigenen Versagen abzulenken.