Werbung im Internet – ein Thema, dass die Nutzer spaltet. Manche meinen, dass im Netz alles kostenlos verfügbar sein müsste. Und kostenlos bedeutet anscheinend auch komplett werbefrei – anders ist es nicht zu erklären, dass sich manche Blogger schärfste Vorwürfe anhören müssen, wenn sie versuchen, durch Banner, Popups oder Textlinks ein wenig Geld mit ihrer Seite zu verdienen.
Kostenloser Mehrwert
Dabei ist es doch vollkommen legitim, dass die Webmaster versuchen, ihre Kosten und den Aufwand für den Blog wenigstens teilweise wieder herein zu bekommen, wenn der Inhalt der Webseite einen Mehrwert bietet – Sinnlos-Seiten mit jahrelang gleichem Inhalt (gern als Fan-Page getarnt) und Seiten mit geklautem Inhalt mal ausgenommen. Wenn man aber so manche Diskussion im www verfolgt, hat es den Anschein, dass genau das übel genommen wird.
Der eigene RSS-Feed als Konkurrenz zur Seite
Deutschlands vielleicht bekanntester und von den Leserzahlen her erfolgreichste Tech-Blog Basicthinking zum Beispiel hat letztens angekündigt, seine (nach wie vor kostenfrei zugänglichen) Inhalte nicht mehr ungekürzt via RSS-Feeds zur Verfügung stellen zu wollen. Angesichts dessen, dass es eine nicht kleine Anzahl Leser gibt, die lediglich über RSS zugreifen und die eigentliche Webseite meiden, eine verständliche Handlungsweise. Denn Basicthinking ist kein Hobby, dahinter steckt eine ganze Redaktion, die von ihrem Content leben will und muss. Die Zugriffe über RSS bedeuteten also entgangenen Traffic für die eigentliche Seite und damit weniger Einnahmen durch die (eh nur spärlich platzierte) Werbung.
Pöbeleien gegen Basicthinking
Nachdem Basicthinking also ankündigte, seine Artikel im RSS lediglich anzureißen, übrigens bei weitem nicht als Erster, gab es diverse negative, teilweise beleidigende Reaktionen auf diesen Schritt. Als Antwort darauf ließ Blogthinking-Red André Vatter heute früh einfach mal Herz und Zunge (oder eher Finger) freien Lauf. Heraus gekommen ist eine lesenswerte, wertvolle Positionsbeschreibung zur “Geiz-ist-geil”-Gesellschaft, zur Ich-will-alles-umsonst-Mentalität – und ein Stück weit sogar zur mittlerweile kaum noch vorhandenen Netiquette. Ja, so etwas gab es mal. Aber das war vor langer, langer Zeit. Vor so langer Zeit, dass sich mancher kaum noch daran erinnern kann.
Vorsicht vor Altruisten und Missionaren
Bemerkenswert: Basicthinking hat bisher kaum Werbung eingebaut. Trotzdem wird die Redaktion als “geldgeile Säcke” bezeichnet, auch die rückwärtige Körperöffnung wurde mal wieder als Betitelung bemüht. Wie passt das? Wie kann man geldgeil sein, wenn man einen täglich frischen, umfangreichen, exklusiven und vor allem kostenlosen Content bietet, ohne im großen Umfang Werbung zu schalten? Nur, weil man versucht, das Wenige an Reklame wenigstens ansichtsoptimiert zu wissen? Werbung ist nun einmal die einzige Möglichkeit, interessante Inhalte kostenlos anzubieten. Es sei denn, man befindet sich auf einem Kreuzzug, will auf Loki komm raus seine Meinung unter’s Volk bringen oder kann sich aus Gründen finanzieller Unabhängigkeit reinen Altruismus leisten.
Wenn nicht geklickt wird, muss upgepopt werden
Liebe Leser, die sich an Werbung auf kostenlosen Webseiten so stören: Ja, auch ich mag es nicht, wenn mir gleich beim Aufrufen der Seite ein Popup ins Gesicht springt. Ja, auch ich störe mich an blinkender, lärmender Reklame. Und, ja, ich wünschte, ich könnte auf Popups verzichten, weil die unaufdringlichere Text-Werbung entsprechend genutzt wird. Aber leider sieht die Realität anders aus. Google Adsense weist Klickraten von weit unter einem Promille auf, bei Contaxe sieht es noch schlechter aus. Das sind Quoten, die für einen rein privaten Blog normal sind, allerdings nicht ausreichen, den Aufwand abzufedern.
Solange es so ist, dass die Nutzer zwar unglaublich gern auf kostenfreie Inhalte zugreifen, aber auf den Klick auf die Werbung als Dankeschön verzichten, werden Popups und Layer unverzichtbar bleiben.



