Ein nicht kleiner Teil meines Lebens vergeht im Auto. Und im Grunde fahre ich gern Auto. Ich kann mir über dieses und jenes Gedanken machen, kann ein wenig Musik hören und laut und schief mitsingen. Trotzdem will ich mein Ziel irgendwann erreichen. Wenn möglich, in einem Minimum an Fahrzeit. Soweit, dass ich extra langsam fahre, um die Reise länger genießen zu können, geht die Liebe zum Autofahren bei mir also nicht.
Mit dieser Einstellung scheine ich aber ziemlich allein zu stehen: Die zu fahrende Strecke kann noch so kurz sein, immer gibt es eine beachtliche Anzahl an Autofahrern, die bei jedem Tempolimit erst einmal die Mehrwertsteuer abziehen. Wir kommen zu…
Vermeintliches Wissen 1: Das Autonummernschild verrät die Fahrweise
Eigentlich Unfug. Oder? Die Autofahrer aus der Wesermarsch zum Beispiel genießen in den umliegenden Kreisen kein allzu hohes Ansehen. Schleicher sollen sie sein. Gelegenheitsfahrer, mobile Verkehrshindernisse. Entsprechend wird das Nummernschildkürzel BRA mit “Bauern Rechts Ab” übersetzt. Meine Erfahrungen: Da ist was dran. Ich muss relativ häufig durch die Wesermarsch fahren. Bei jeder Fahrt darf ich mich über Menschen freuen, für die diese schwarzen Zahlen in den runden, rot umrandeten Schildern keine Bedeutung haben. 100? Da reicht doch auch 70. Man hat ja Zeit, und die Gegend ist sooo schön. Ist sie übrigens wirklich. Die Schleicher allerdings sind nervig. Vor allem, weil sie zu unüberlegten und gefährlichen Überholmanövern provozieren. Aber die Unfälle bauen dann ja die anderen.
Vermeintliches Wissen 2: Die rechte Spur ist nur für LKWs
Was mir auf den deutschen Autobahnen auffällt, ist eine bemerkenswerte Schonhaltung dem rechten Fahrstreifen gegenüber. Auf Kilometer ist auf der Spur nichts los, aber Schumis Erben meiden sie wie der Teufel das Weihwasser. Für alle, die sich an das Rechtsfahrgebot halten, bedeutet es, dass sie, wenn ein solcher Spezialist auf der mittleren Spur auftaucht, mal eben zwei Spuren wechseln müssen, um nach dem Überholvorgang wieder über zwei Spuren zurück zu wechseln. Warum ist die rechte Fahrspur selbst bei freier Autobahn so unpopulär? Anscheinend herrscht in der Bevölkerung die Überzeugung vor, dass die rechte Spur bei einer dreispurigen Autobahn für LKWs reserviert sei. Kein Witz! Ich habe mich vor einiger Zeit beim Fußballgucken einmal mit zwei Rentnern unterhalten, die mir genau das erzählen wollten: Rechts dürfen nur die Brummis rollen! Wenn ich meine letzten Autobahnfahrten mal so Revue passieren lasse, scheint diese Auffassung in Deutschland zum (falschen) Allgemeinwissen zu gehören.

Ein Musterbeispiel für die schonende Behandlung der rechten Fahrspur: Auf Kilometer ist hier nichts zu sehen, trotzdem fahren alle in der Mitte oder links.
Vermeintliches Wissen 3: Den Beschleunigungsstreifen muss man so schnell wie möglich verlassen
Noch so eine Sache, die mich immer wieder richtig ärgert: Man fährt die Auffahrt zu einer Autobahn hoch, und der Fahrer vor einem beschleunigt kaum. Stattdessen zieht er, sobald die geschlossene Linie aufhört, nach links rüber. Möglichst mit Tempo 50 oder weniger. Und man selbst? Was soll man jetzt machen? Beschleunigen und erst am Ende der Beschleunigungsspur auf die Autobahn fahren? Das würde in der Regel bedeuten, den Vordermann rechts zu überholen. Gute Nachrichten für alle, die es genau so praktizieren: Es ist die richtige Verhaltensweise! Jeder Verkehrsteilnehmer hat die Pflicht, mit einer angemessenen Geschwindigkeit auf die Autobahn zu fahren, um den nachfolgenden Verkehr nicht zu riskanten Bremsungen zu zwingen. Und genau dafür ist die Beschleunigungsspur da: Gas geben und dann am Ende der Spur einfädeln. Ruhig mal ausprobieren!



