Das große Zittern

Als Fan von Eintracht Braunschweig, der die Meisterschaft 1967 mangels eigener Existenz nicht miterleben konnte, hat man es nicht leicht. Die Erfolge des Teams sind wenige, die Rückschläge Legion. Aber das ist egal,  denn wenn ich jubeln wollte, wäre ich Bayern-Fan geworden. Außerdem sucht man sich seinen Verein nicht aus – der Verein sucht Dich aus.

Seit bald 26 Jahren also bin ich jetzt schon Löwe. Eigentlich hätte ich nie Eintracht-Fan werden dürfen, denn mein allererstes Spiel des BTSV war das 0:0 gegen Bayer Leverkusen am 28.April 1984. Es war ein Graupenkick zweier nicht sonderlich ambitionierter Mannschaften der Fußball-Bundesliga. Dazu passend nieselte es die ganze Zeit, und mein Vater hatte die falschen Karten besorgt – wir standen unter den Pappeln der Nordkurve. Ein Problem war das allerdings nicht, denn bereits damals hatte Leverkusen keine Fans.

Umso trauriger ist es, wenn man dann sieht, wer heutzutage so in der Bundesliga spielt. An Leverkusen hat man sich ja mittlerweile irgendwie gewöhnt (man kann sich auch an Hühneraugen gewöhnen). Aber VfL Wolfsburg und TSG Hoffenheim… das ist zuviel. Daran kann man sich nicht gewöhnen, so oft die Presse sich auch bemüht, diesen Casting-Bands der Bundesliga mit sympathisch klingenden Bezeichnungen (z.B. “Wölfe” – war das nicht auch der Spitzname Adolf Hitlers? Na, dann passt es doch wieder irgendwie ;) ) zu einer Art positiver Markenidentität zu verhelfen. Nee, Wolfsburg und Hoffenheim, das geht gar nicht. Das ist nur Produkt, keine Seele. Und ich will Seele.

Meine Eintracht jedenfalls schickt sich diese Tage mal wieder an, wenigstens in die zweite Bundesliga aufzusteigen. Die Rückrunde läuft bisher gut, und man hat es selbst in der Hand, am Ende einen der sexy Plätze 1 bis 3 zu belegen. Wenn jetzt auch noch die Roten mitziehen, können wir uns in der kommenden Saison endlich wieder auf ein Niedersachsen-Derby freuen. Das letzte fand im Oktober 2003 statt, damals siegte Eintracht im DFB-Pokal mit 2:0 gegen die favoritisierten Hannoveraner. Seit sechseinhalb Jahren also wartet Deutschlands schönstes Bundesland also schon auf sein Derby.

Mittlerweile bin ich schon ganz wuschig. Aufstiegsfieber nennt sich das wohl. Ein wenig leidet die Arbeit darunter, denn ich schaue häufiger als sonst in die diversen Eintracht-Foren. Könnte ja sein, dass etwas Wichtiges passiert ist. Das muss ich doch wissen! Außerdem spielt Eintracht heute Abend. Wieder gegen so ne Casting-Band, den SV Wehen-Wiesbaden. Die haben ihre Tradition über Bord geworfen, damit sie den Namen der hessischen Landeshauptstadt tragen dürfen. Was gab es denn an Taunusstein auszusetzen?

Zwischendurch schaue ich mir dann gern mal Videos an, um die Vorfreude zu steigern. So wie dieses hier:

Und dann setzt es wieder ein, das große Zittern…

EINTRACHT!

PS: Ich schreibe ja nur ab und an über den BTSV. Andere machen das im großen Stil – und ich lese es gern ;)

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