Angebliche Traditionen und miese Gastgeber

Zwei Tage ist die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika jetzt erst alt, und schon gilt sie bei vielen Fans als (h)ausgemachte Katastrophe. Der Grund: Die nervigen Plastiktröten, Vuvuzelas genannt, die von den Einheimischen voller Inbrunst und ohne jeden Bezug zum Spiel geblasen werden und so den letzten Rest Stimmung, den eine durchkommerzialisierte WM noch bieten kann, zerstören.


Dass das nicht gut geht, war wohl spätestens beim Confed-Cup vor einem Jahr offensichtlich geworden. Eine monotone Dauer-Lärmkulisse legte sich über jedes Spiel, Anfeuerungsrufe oder gar Gesänge der Fans wurden so komplett unmöglich. Seitdem hatte die FIFA Zeit, sich des Problems anzunehmen. Getan wurde – nichts. Denn angeblich sind die Plastiktröten Teil der kulturellen Identität Südafrikas. Blödsinn, sagt der Spiegel und klärt auf:

Denn jede Kritik an der Trompete wird am Kap sofort als europäischer Angriff auf die eigene Fußball-Kultur empfunden. Im Extremfall gelten Gegner des Geräts als verkappte Rassisten, die kein Verständnis für Afrikas kulturelle Eigenart hätten. Dabei ist die Vuvuzela, die von den Deutschen scherzhaft als “Uwe Seelers” bezeichnet wird, keineswegs ein Instrument mit langer Tradition. Weder in Form noch Lautstärke hat die Vuvuzela viel mit dem traditionellen Kudu-Horn zu tun, es ist daher absurd, eine vor ein paar Jahren aus Amerika importierte und erst seit kurzem industriell hergestellte Plastiktröte zum afrikanischen Kulturgut zu verklären.
Spiegel

Normalerweise ist es für die Stimmung bei einem Turnier immer wichtig, dass der Gastgeber möglichst lange dabei bleibt. Bei dieser WM allerdings muss man schon hoffen, dass Südafrika so früh wie nur möglich raus fliegt. Vielleicht ist dann mal Schluss mit dem Lärm. Was die Vuvuzelas aber auf jeden Fall beweisen: Südafrika ist ein mieser Gastgeber. Das Land am Kap hat nichts getan, um den Konflikt zu entschärfen. Man hätte gegensteuern und die eigene Bevölkerung darüber aufklären können, dass die Vuvuzelas im Rest der Welt als Stimmungskiller gelten. Dass es nichts mit Kultur zu tun hat, anderen das Spiel zu versauen. Und dass es eine denkbar schlechte Eigenwerbung ist, wenn man – anstatt mit der Welt eine Party zu feiern, wie es bei den letzten Weltmeisterschaften war – einen Dreck darauf gibt, was die Gäste von der an Körperverletzung grenzenden Dauerbeschallung halten.

Gegen Vuvuzelas - Für Stimmung

Gegen Vuvuzelas - Für Stimmung

Eine Fußball-Weltmeisterschaft nach Afrika zu vergeben – in der Theorie klang das super. Aber der Alltag hat diese Idee schnell entzaubert. Die Unfähigkeit der südafrikanischen Organisatoren sorgt dafür, dass rund um die Welt Fußballspiele ohne Ton geschaut werden. Keine Stimmung am Bildschirm – keine Stimmung auf den Straßen, keine Party mit der Welt. Es gibt Pay-TV-Sender, die bieten bei Fußballspielen den Service an, den Kommentar auszublenden, um nur die Stadionathmospähre mitzubekommen. Bei dieser WM sollte es umgekehrt sein.

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4 Responses to Angebliche Traditionen und miese Gastgeber

  1. This sounds like a vuvuzela!

  2. установка котлов на твердом топливе says:

    ок все не так плохо как я думал

  3. Douglas says:

    Someone please stop the horns! I tried to give the World Cup a chance, but I’d even turn off the Superbowl if there was the same annoying background noise.

  4. John says:

    The Vuvuzela, just when you thought kazoos were the most annoying “musical instruments”

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